Das Bild von den 7 Chakras hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auch in der westlichen Gesellschaft immer weiter verbreitet und kaum jemand hat das Wort Chakra noch nie gehört. Was es jedoch genau mit diesen Chakras auf sich hat und was sie genau bedeuten ist schon weit weniger im Bewusstsein der Menschen angekommen. In diesem Artikel wollen wir einen genaueren Blick auf das Konzept dieser Energiezentren werfen und uns mit jedem einzeln kurz befassen.

Chakra bedeutet übersetzt Rad und wird unter anderem dafür verwendet über bestimmte energetische Zentren in unserem Körper zu sprechen. In der buddhistischen Lehre wird von 5 und in der hinduistischen Lehre oft von 6 oder 7 Chakras gesprochen. In diverser New Age Literatur wird sogar von 100 oder mehr Chakren berichtet, die weit über den physischen Körper hinausgehen. Wir wollen uns hier vorwiegend mit der Idee von den 7 Energiezentren im Körper befassen, da diese in der heutigen Yogaszene am meisten gebraucht ist. Über die exakte Anzahl der Chakras lässt sich natürlich streiten, dennoch ist die Idee der 7 Chakren äußerst Interessant und für das persönliche Leben durchaus bereichernd, da Sie uns interessante Einblicke in unser menschliches Wesen und unsere Bedürfnisse in den verschiedenen Lebensbereichen gibt. Folgende kurze Analyse der einzelnen Chakras soll dem/der Leser/in mehr Aufschluss darüber geben, was mit den 7 Chakras gemeint ist, und dazu animieren, sich selbst mit dem öffnen der 7 Siegeln auseinanderzusetzen.

Muladhara Chakra – Das Wurzelrad

Das Wurzelrad, oder Muladhara Chakra, befindet sich am unteren Ende der Wirbelsäule und erstreckt sich hinunter bis zu den Fußsohlen. Hier ist der Sitz unserer Überlebensinstinkte und hier soll die mysteriöse Schlangenkraft Kundalini schlafen. Das Wurzelchakra steht für alle Bereich unseres Lebens die uns halt geben und uns in der Welt sprichwörtlich verwurzeln. Von hier aus beginnt die menschliche Reise und, gleich einem Baum oder einer Blume, beginnt unser Wachstum bei den Wurzeln. Dem stärken der Wurzel und dem “öffnen” bzw. “aktivieren” dieses Zentrums wird im Yoga höchste Priorität beigemessen. Treten Störungen im Muladhara Chakra auf wirkt sich das oft mit fehlendem Urvertrauen und mangelndem Körperbewusstsein aus. Wir fühlen uns in unserer Haut nicht wohl und sind von Unsicherheit und Existenzangst geplagt. Oft fehlt es jemandem dann an auch an Vitalität und dem Gefühl “mit beiden Beinen fest auf der Erde zu stehen”. Das Muladhara Chakra entspricht dem Element Erde. Trommeln, Tanzen, Gartenarbeit, alle Übungen für die Beine und das Gesäß, erdige Nahrungsmittel wie Kartoffeln, Karotten, Rettich und auch Hülsenfrüchte und Nüsse tragen bspw. dazu bei das Wurzelchakra zu nähren und zu stärken. Im Yogic Sukshma Vyayama geht es sehr stark darum das Wurzelchakra zu reinigen und zu aktivieren und es sei jedem/r ans Herz gelegt sich damit zu befassen. Das Wurzelchakra steht auch für das gesamte Skelett und das Lymphsystem, dass durch üben von Moohlabandha, dem Wurzelverschluss, positiv beeinflusst werden kann. Der Wurzelverschluss wird ausgeführt, indem man das Gesäß und auch die Oberschenkel anspannt. Üben Sie immer mit Gefühl und bauen Sie die Spannung kontinuierlich und nie ruckartig und schon gar nicht brachial auf. Stellen Sie sich vor einen stufenlosen Regler zu bedienen und erhöhen Sie die Anspannung allmählich. Halten Sie dieses Übung nur solange es sich gut anfühlt und entspannen Sie sich wieder. Das wiederholte Üben des Wurzelverschlusses steigert Ihr wohlbefinden merklich, da Sie aktiv dazu beitragen das Lymphsystem zu regulieren und ihre Wurzel stärken.

Svadhishthana Chakra – Das Sakralrad

Das Sakral Chakra steht z.B. für Schaffenskraft und Sexualität und sitzt etwas unterhalb des Nabels. Wenn die überlebenswichtigen Bedürfnisse (Wurzelchakra) gedeckt sind, bekommen wir Raum und Kapazität uns zu entfalten und uns zu vermehren. Das Sakralchakra hat viel mit Lust und Bauchgefühl zu tun und wird mit dem Wasserelement assoziiert. Dies ist leicht nachvollziehbar, finden wir im Sakralbereich doch viele Körpersäfte und Organe wie die Blase und die Niere. Treten Störungen im Sakralbereich auf, äussert sich das oft durch trauer, schwere, fehlernder Inspiration und Unlust. Das Element Wasser ist in seiner aufbauenden Form zwar nährend, in seiner destruktiven Form allerdings sehr melancholisch, zurückgezogen und im extrem Fall depressiv oder gefühlskalt. Um einer Imbalance entgegen zu wirken empfehlen sich vor allem Übungen wie die Blasebalg- und die Pantheratmung. Durch die starken Bauchbewegungen werden stagnierende Energien wieder in Bewegung gebracht und bspw. der Serotoninausstoß im Darm optimiert. Ebenfalls angeraten sei genaues Durchleuchten der persönlichen Lebenssituation. Gut möglich, dass uns “etwas schwer im Magen liegt” und wir uns in einer Situation befinden die uns “Bauchweh beschert”. In diesem Fall gilt es Taten zu setzen und die Situation aktiv zu verändern. Vielleicht steht eine berufliche Neuorientierung an oder eine zwischenmenschliche Beziehung will aufgearbeitet werden.

Manipura Chakra – Das Solarplexusrad

Das Solarplexusrad befindet sich über dem Nabel unterhalb des Brustbeins. Dieses Chakra wird auch gerne als Sonnengeflecht bezeichnet und steht für Durchsetzungsvermögen, Willensstärke, Disziplin und Entschlossenheit. Der Solarplexus hilft uns die Welt nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Wir beschreiten immer mehr unseren persönlichen Lebensweg und bringen unsere Geschenke in die Welt. Wir werden schöpferisch tätig und beginnen uns für Selbstverwirklichung einzusetzen. Hier lodert das innere Feuer indem sich unsere Leidenschaften aus dem Sakralchakra anfangen zu manifestieren. Der Same ist sozusagen aufgegangen (Wurzelchakra), hat schon erste Blätter gebildet (Sakralchakra) und strebt nun weiter nach oben (Solarplexuschakra). Ist dieses Chakra blockiert haben wir Schwierigkeiten damit an einer Sache dran zu bleiben und sie auch tatsächlich bis zur Vollendung zu verfolgen. Vieles wird begonnen, aber nichts wirklich vollendet. Vielleicht ist die Vision noch nicht klar genug. Die Gedanken sind noch zu unklar definiert oder es herrschen bezüglich einer Idee gemischte Gefühle. Womöglich mangelt es auch an gesundem Selbstvertrauen und man hegt Zweifel ob ein Vorhaben gelingen wird oder ob man es verdient hat ein bestimmtes Ziel zu erreichen, bzw. einen bestimmten Platz in der Welt einzunehmen. Ist das innere Feuer im Solarplexus zu schwach oder gar erloschen, helfen bspw. Gewürze wie Zimt und Ingwer oder Asanas wie Chakrasana, die Brücke oder Ustrasana, das Kamel.

Anahata Chakra – Das Herzrad

Nachdem wir unseren persönlichen Ziele verfolgt und unseren Platz in der Welt etabliert haben, erwacht im Herzrad, Anahata Chakra, ein starkes Mitgefühl für alle Lebewesen. Die Erkenntnis, dass alles Leben in der Welt sich auf dem selben Weg befindet, schafft die Vorraussetzung für Empathie und öffnet die Tore hin zur Einheitserfahrung, dem höchsten Ziel im Yoga. Die Öffnung des Energiezentrums im Herzbereich geht mit starken Gefühlen der Hingabe und tiefem Verständnis für das Leid aller einher. Besteht man die Prüfungen des Anahata Chakras und kann sein Ego loslassen, auf die Seite stellen, beginnt unkonditionierte Liebe zu fließen. Man/Frau sieht sich immer weniger als abgegrenztes Individuum und beginnt die Verbindung zwischen allem mehr und mehr zu erfahren. Blockaden im Herzchakra äussern sich oft durch Egoismus, Verlustangst, Eifersucht und im extremen Fall mit Herzproblemen. Vergebung ist ein großes Thema wenn sich das Herzchakra beginnt zu öffnen. Alte Wunden werden nochmals aufgerissen und wir werden dazu angehalten Vergebung gegenüber Menschen und Situationen zu üben, die uns einst verletzt haben. Vergebung für andere und aber auch für sich Selbst. Vielleicht hadert man mit sich, weil man in der Vergangenheit etwas nicht, oder eben doch, gemacht hat und bereut damals zu gehandelt, oder nicht gehandelt, zu haben. Es ist Zeit altes hinter sich zu lassen und (Karma) aufzulösen, damit der Baum unseres Lebens weiter nach oben wachsen kann. Ein gesundes Herz bildet zugleich eine solide Grundlage und birgt das ungeheure Potential “hoch hinaus zuschießen”!

Vishuddha Chakra – Das Kehlkopfrad

Das Kehlkopfchakra steht für Authentizität, Wahrhaftigkeit und Ausdruck. Hier angelangt scheint Licht auf alles was bisher vielleicht noch im Dunkeln war. Wahrhaftigkeit und die Fähigkeit ungefiltert auszudrücken was die persönliche Wahrnehmung der Dinge ist weist auf ein balanciertes und aktives Vishuddha Chakra hin. Menschen die Sagen was sie Denken und Fühlen und nicht “mit der Wahrheit hinter dem Berg halten” sind nicht immer und überall beliebt. Hier trennt sich “die Spreu vom Weizen” und die Lebenssituation wird sich auf all jene Verbindungen konzentrieren die “in der Hitze des Gefechts” Beständigkeit und Wahrhaftigkeit beweisen. Wir stehen für das ein an was wir glauben und für richtig halten und werden es nicht mehr zulassen, dass unsere Grenzen achtlos überschritten und verletzt werden. Das Kehlkopfchakra steht auch für künstlerischen Ausdruck wie bspw. Musik und Malerei. Wir verarbeiten erlebtes und drücken uns kunstfertig darüber aus, machen aus einer Erkenntnis ein Werk, dass uns “die Moral von der Geschichte” in Erinnerung hält und sie womöglich aus anderen weitervermitteln kann. Blockaden im Kehlkopfchakra gehen oft damit einher, sich nicht befriedigend ausdrücken zu können oder sich selbst nicht treu zu bleiben. So gibt man bspw. bei einer Sache leichtfertig nach, um bspw. “die Harmonie zu wahren” und opfert dafür die eigene innere Harmonie. Sehr interessant ist die Verbindung des Kehlkopfchakras mit der Schilddrüse. Schilddrüsenfehlfunktionen können damit einhergehen, dass die innere und äußere Wahrheit nicht übereinstimmen! In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird die Schilddrüse mit Herz und Niere in Zusammenhang gebracht. Es ratet sich bei Schilddrüsenproblemen also an seine Angelegenheiten auf “Herz und Nieren” zu prüfen und Unstimmigkeiten offen und voller Mut anzugehen!

Ajna Chakra – Das Dritte Auge Rad

Steigt die Energie bis zum dritten Auge und öffnet sich das Ajna Chakra sehen wir klar und haben eine starke Vision. Das dritte Auge sieht nicht nach aussen auf die materielle Welt, sondern hat den Blick auf die innere, feinstoffliche Welt gerichtet. Dem Blick des dritten Auges entgeht nichts und erkennt auftretende Dissonanzen in Echtzeit und noch bevor das (obere) Bewusstsein sie wahrnimmt. Ist man mit dem dritten Auge in Einklang ist die Intuition auf einen Grad angestiegen, dass aussenstehende meinen könnten, man könne Gedanken lesen oder die Zukunft vorraussagen. Der innere Blick ist in einem Maße geschärft, dass eine ungetrübte Klarheiten über die inneren, und somit auch über die äußeren, Dinge herrscht. Da keine Trennung zwischen den Lebewesen besteht, kann jemand in diesem Stadium sehr genau nachempfinden, und es innerlich quasi sehen, in welcher Situation sich jemand oder etwas gerade befindet.  Es bestehen keine Zweifel mehr und der Weg zur Vollendung ist klar, auch wenn noch nicht fertig begangen. Der Baum unseres Lebens ist nun schon sehr groß und stark geworden. Die Blüten gehen auf und der Baum beginnt Früchte zu tragen. Ist das Ajna Chakra noch inaktiv kämpfen wir womöglich damit den Weg nicht klar zu sehen und fühlen uns verloren im dunklen Wald. Viele Dinge sind uns unklar und der Verstand stellt noch viele Fragen. Spätestens hier wird man beginnen sich mit Meditation, und Übungen zur Beruhigung des Geistes, beschäftigen. Die Kontrolle des Atems wird spätestens hier zu einer grundlegenden Fähigkeit, stellt der Atem doch den Schlüssel zum Unbewussten dar.

Sahasrara Chakra – Das Kronenrad

Eine weiten Weg hat der Same (Wurzel) bis hierhin zurückgelegt. Wird die klare Vision über das dritte Auge erlangt und der Weg furchtlos weiter begangen, beginnt sich das Kronenrad, Sahasrara Chakra, am obersten Punkt am Schädel, zu öffnen. Es entsteht eine mächtige Verbindung zwischen Unter-, Ober- und Überbewusstsein. Die Einheitserfahrung, YOGA, ist vollbracht und der/die Anwärter/in wird “eins mit der Gottheit”. Das persönliche Konstrukt “Person” wird überwunden und es stellt sich eine Bewusstseinserweiterung mit der Tragweite der Ich-Auflösung ein. Hier lösen sich Leid und Freud auf und es kommt zur Erkenntnis, dass es weder ein oben noch ein unten, weder ein gut noch ein böse, weder ein yin noch ein yang, gibt, bzw. es kein hell ohne dunkel, kein warm ohne kalt und kein Himmel ohne Erde möglich ist. Die Reise des Menschen endet hier, bzw. hat sie gerade erst begonnen. Dualität löst sich auf und das Bewusstsein verschwindet als kleienr Tropfen im Ozean der Existenz und wird eins mit diesem. Hat sich das Kronenchakra noch nicht geöffnet ist die Klarheit des Ajna Chakras noch nicht vollständig eingetroffen und man ist vlt. noch zögerlich den letzten Sprung zu wagen. Vlt. haftet das Ego, das persönliche Konstrukt von Identität noch zu sehr an “sich selbst” und die Vorstellung vollständig “eins zu werden” ist noch zu bedrohlich und beängstigend. Womöglich ist auch die Zirbeldrüse nicht ganz intakt, was durchaus zu diesen Ängsten und Blockaden führen kann. In diesem Fall lohnt sich der “digital Detox” und eine wiederholte Überprüfung der Lebensführung, sowie Ausdauer und Vertrauen, dass alles seine Richtigkeit und Berechtigung hat. Das erblühen des Kronenchakras findet eine schöne Analogie im erblühen und Früchte tragen der Pflanzen. So wie ein Blume vom Samen her sprießt um schließlich in einer wunderschönen Blüte aufzugehen – so ist das öffnen des Kronenchakras vergleichbar mit der Blüte des Menschen. In diesem Zustand wird die Selbstverwirklichung vollkommen ausgelebt und die eigene Existenz als Selig und “vom Glück geküsst” empfunden. Widerstände werden kein Problem darstellen sondern sich in Wohlgefallen auflösen und was man/frau anpackt wird zum Segen aller werden.